
Das gesundheitspolitische Bestreben der Wiener ÖVP ist eine dezentrale, wohnortnahe, qualitativ hoch stehende und flexible Gesundheitsversorgung, ohne Rücksicht auf Einkommen oder soziale Stellung der Patientinnen und Patienten. Die Sicherung der bestmöglichen Gesundheitsversorgung der Wienerinnen und Wiener ist unser Anliegen, die Schaffung einer effektiven Gesundheitsverwaltung unsere Aufgabe. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass die Arbeitsbedingungen für die im Gesundheitsbereich arbeitenden Menschen verbessert werden. So sind die jüngsten Enthüllungen rund um sanitäre Missstände und sonstige schlechte Arbeitsbedingungen für die Hebammen im Allgemeinen Krankenhaus nur ein Beispiel für dringenden Handlungsbedarf.
Die SPÖ will Spitäler mit weniger als 300 Betten zusperren. In Wien würde dies allein 13 Spitäler treffen, darunter sieben von insgesamt acht Ordensspitälern. Mehr als 2.300 Betten wären insgesamt von der Schließung betroffen. Dabei ist es gerade in einer Großstadt wie Wien dringend notwendig, wohnortnahe Strukturen mit kleinen hochspezialisierten Häusern zu bieten. Die SPÖ setzt jedoch lieber auf anonyme Bettenburgen an der Peripherie wie das KH Nord.
Dabei gäbe es dringenden Sanierungsbedarf in bestehenden Spitälern. So gibt es im Kaiser Franz Josef Spital Sechs-Betten-Zimmer, auf 30 Patientinnen und Patienten kommen zwei Toiletten, Operationssäle sind nicht klimatisiert. Die Sanierungsarbeiten werden jedoch von der SPÖ-Stadtregierung mit dem Hinweis auf das KH Nord auf die lange Bank geschoben.
Allerdings wird das KH Nord noch lange auf sich warten lassen. Nach einem einzigartigen Planungsdesaster muss das Projekt neu ausgeschrieben werden. Der Eröffnungstermin wurde von 2011 auf "frühestens" 2015 verschoben. Auch die Kosten explodieren: Von ursprünglich 300 Millionen Euro Projektkosten ist man mittlerweile bei über einer Milliarde Euro.
Wien ist Spitzenreiter bei der durchschnittlichen Aufenthaltsdauer in Akut-Krankenanstalten. Seit Jahrzehnten liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer über dem Österreichschnitt, seit 2001 ist Wien Spitzenreiter. Im Jahr 2008 lag die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Wien bei 7,7 Tagen. Zum Vergleich in NÖ bei 6,7 Tage, OÖ 6,3 Tage, Tirol 6,0 Tage, Burgenland 5,8 Tage.
Die Ambulanzen sind gerade auch in den Abendstunden und an den Wochenenden vollkommen überfüllt. Die Situation ist in den vergangenen Jahren immer dramatischer geworden. Besonders schlimm ist die Situation in den Wiener Kinderambulanzen, an Spitzentagen müssen über 200 Kinder behandelt werden. Hier helfen sich die Ärztinnen und Ärzte damit, so schnell wie möglich Akutfälle von nicht spitalspflichtigen Behandlungen zu trennen. Die Entscheidungen müssen schnell und punktgenau getroffen werden – eine extreme Belastung bei einem 24 Stunden Dienst. Wer kein Notfall ist, muss lange warten.
Darüber hinaus liegen derzeit viele Patientinnen und Patienten in Krankenhausbetten, die eigentlich keine Vollversorgung benötigen würden. Damit belegen viele Menschen, die mit mobiler Hilfe zu Hause betreut werden könnten oder die einen Pflegeplatz mit entsprechender Versorgung benötigen, ein Spitalsbett.
Diese planlose Strategie verursacht jährlich über 20 Millionen Euro an Mehrkosten, die bei Etablierung eines professionellen Entlassungsmanagements gar nicht erst anfallen würden. Wiens Ordensspitäler verwenden dieses wichtige Instrument seit Jahren höchst erfolgreich und sichern damit den Menschen eine hohe Lebensqualität. Wir wollen dieses System daher in allen Wiener Spitälern so rasch wie möglich etablieren.
Darüber hinaus ist es dringend notwendig, den Ausbau von ambulanten Diensten in Wien voran zu treiben. Dazu zählen Heimhilfen und medizinische Hauskrankenpflege. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Krankenanstalten kann so gesenkt werden. Das reduziert auch die Kosten für das System und für jede und jeden Einzelnen. Letztlich werden dadurch die Menschen auch bei der Pflege naher Angehöriger nicht alleine gelassen.
Wir brauchen dringend eine Aufwertung der Hausärztinnen bzw. der Hausärzte, da ohne diese keine Kontinuität in der Langzeitversorgung möglich ist. Sie sollten die erste Anlaufstelle und koordinierend tätig sein. Die Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner kennen ihre Patienten am besten, sie sollen als "Lotse" im Gesundheitssystem fungieren und damit die überlaufenen Spitalsambulanzen entlasten. Deshalb hat die ÖVP im Regierungsprogramm der Bundesregierung den Vorschlag der Erarbeitung eines Hausarztmodells erfolgreich eingebracht. Gleichzeitig müssen die Ordinationszeiten beim Hausarzt/-ärztin wie auch bei den Fachärzten/-ärztinnen stärker an die Arbeitszeiten der Menschen angepasst werden. So sind längere Öffnungszeiten in den Abendstunden, aber auch am Wochenende notwendig.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass 2030 um mehr als zwei Drittel mehr Menschen in der Altersgruppe 80plus in Wien leben werden als heute. 80 Prozent der Senioren wollen zu Hause betreut werden, ein starkes Netz an ambulanten Diensten fehlt jedoch. Darüber hinaus fördert Wien meist Pflegeheime und kaum Einrichtungen, die das Altwerden zu Hause ermöglichen. Auch in Bezug auf Senioren-Tageszentren und Senioren-Wohngemeinschaften hinkt Wien hinterher. Der Fonds Soziales Wien fördert lediglich 21 Tageszentren für Seniorinnen und Senioren und 45 Senioren-Wohngemeinschaftseinrichtungen für nur insgesamt 251 Personen. Das ist viel zu wenig bei über 100.000 potentiellen Klienten und vielen Interessenten. Daneben gibt es auch das drängende Problem des fehlenden Pflegepersonals.
Um die Lebensqualität von älteren Menschen zu unterstützen und zu ermöglichen, dass sie möglichst lange in ihrem vertrauten Umfeld ihr Leben meistern können, bedarf es nicht zuletzt einer Unterstützung durch moderne Informations- und Kommunikationstechnologien. Damit soll Wien seniorenfreundlicher werden. Gleichzeitig geht es hier um einen technologischen Zukunftsmarkt. Durch ein maßgeschneidertes Förderprogramm kann sowohl
älteren Menschen wie auch Angehörigen oder Vereinen, die in der Betreuung der Menschen beschäftigt sind, eine Hilfe geboten werden, als auch ein Anstoß für neue Technologien gegeben werden.
Ein Bett in einer städtischen Einrichtung kostet nur auf den ersten Blick weniger als ein Bett in einer privaten Einrichtung. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Ungleichbehandlung der Trägerorganisationen. Die Stadt Wien verrechnet den Bewohner/innen der städtischen Pflegeeinrichtungen seit Jahren einen zu geringen Tagsatz, der dem Krankenanstaltenverbund (KAV) jedes Jahr aus Steuermitteln ersetzt werden muss. Private Heime müssen dagegen bereits jetzt gegenüber dem Fonds Soziales Wien (FSW) einen kostendeckenden Tarif abrechnen. Diese ungleiche Finanzierungsform führt zu einer Wettbewerbsverzerrung, die in dieser Form nicht länger tragbar ist.
Wir fordern, dass ein Pflegeplatz überall gleich viel wert ist. Dadurch sollen auch vermehrt wohnortnahe kleine Pflegeeinrichtungen statt Bettenburgen geschaffen werden.
In der vergangenen Legislaturperiode hat die ÖVP über 120 Initiativen gesetzt, um die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung in Wien zu verbessern und den neuen Herausforderungen anzupassen. Leider wurde der Großteil unserer Forderungen seitens der SPÖ ohne konstruktive Gegenvorschläge abgelehnt. Damit wurden wesentliche Fortschritte zur Gestaltung einer modernen, auf die Selbstbestimmung der Menschen mit Behinderung ausgerichteten Politik vereitelt. In den kommenden Jahren wird die ÖVP Wien weiterhin darum kämpfen, dass behinderten Menschen in Wien ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht wird. Wir fordern daher einen Ausbau der persönlichen Assistenz für alle Menschen mit Behinderung verbunden mit einem Rechtsanspruch. Mehr Lebensqualität für behinderte Menschen heißt auch Barrierefreiheit bei öffentlichen Verkehrsflächen und öffentlichen Gebäuden.
Die österreichische Jugend liegt laut OSZE im Spitzenfeld der Raucher und Trinker. In keinem anderen OECD-Land ist unter den 15-Jährigen der Anteil der Raucherinnen und Raucher so hoch wie in Österreich. Besonders deutlich ist der Abstand zu anderen Ländern bei den Mädchen. Nach Dänemark, Großbritannien und Finnland haben auch in keinem andern OECD-Land mehr Jugendliche regelmäßig Alkoholexzesse. 36 Prozent der Mädchen und 41 Prozent der Jungen in Österreich im Alter von 15 Jahren geben an, schon mindestens zwei Mal im Leben betrunken gewesen zu sein.
Darüber hinaus mehren sich Adipositas-Fälle. Österreichische Jugendliche - vor allem in Wien - liegen hier im europäischen Spitzenfeld. Laut einer Studie sind in Wien insgesamt 22,3 Prozent der Jugendlichen als übergewichtig, davon 4,5 Prozent als adipös, zu bezeichnen.
Für die ÖVP Wien beginnt Gesundheitspolitik bereits bei der Prävention. Wir wollen ein Maßnahmenkonzept zur Gesundheitsvorsorge und Prävention für Wien ab dem Kindesalter umsetzen - besonders für so genannte Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Adipositas und Diabetes.
Bewegung, Gewicht und Ernährung sind die wesentlichen Säulen der Prävention. 70 bis 80 Prozent der Krankheiten können mit den richtigen Maßnahmen verhindert oder hintan gehalten werden. Derzeit sind die Präventionsmaßnahmen in Wien jedoch reine Einzelprojekte - also "Flickwerk". Es braucht daher sowohl ein Präventionszentrum, als auch einen eigenen Präventionsplan für Wien.
Derzeit klafft eine Lücke in der Zeit zwischen Auslaufen des Mutter-Kind-Passes bis zur Vorsorgeuntersuchung ab 18 Jahren. Besonders Kinder aus sozial schwachen Gruppen haben darunter zu leiden. Zusätzlich muss das Augenmerk auf Aufklärungskampagnen, bessere Ernährung in der Schule und bessere Sport(stätten)angebote gelegt werden. Unser Ziel ist es, in Kindern und Jugendlichen die Freude an mehr Bewegung bei Sport und Spiel zu wecken.
Wien bezeichnet sich gerne und oft als Sportstadt. Allerdings ist Wien neben Warschau, Bukarest und Belgrad die einzige Großstadt in Europa, die über keine multifunktionale Sporthalle verfügt. Dazu kommt, dass die Förderung des Nachwuchssports für Vereine oder Einzelsportler/innen durch die Stadt Wien äußerst bescheiden ist. Sie liegt bei gerade einmal 723.000 Euro im Jahr. Wie gering diese Zahl ist, zeigt der Vergleich mit dem deutlich kleineren Vorarlberg: Dort erhalten die Vereine knapp 1,5 Millionen Euro. Gerade auch der Breitensport wird in Wien höchst stiefmütterlich behandelt. So werden hunderte Vereine, die um Trainingsmöglichkeiten in den bestehenden Einrichtungen ansuchen, Jahr für Jahr abgewiesen.
Wir möchten Wien zu einer echten Sport-Hauptstadt machen. Dabei muss Wien seine Anstrengungen verstärken, öfter als bisher Austragungsort für internationale Bewerbe zu sein. Denn solche Großereignisse sind nicht nur Wirtschafts-, Image- und Tourismusfaktor, sondern darüber hinaus auch Motor und Motivation für nationale Verbände, im eigenen Land besonders gut abzuschneiden. Wien braucht ganz dringend eine multifunktionale Mehrzweck-Sporthalle, wie sie in anderen europäischen Städten längst „state of the art“ sind. Diese Chance wurde etwa beim geplanten Umbau der Albert-Schultz-Eishalle vergeben. Neben dem Spitzensport (der Großteil der Subventionen aus dem Sportbudget geht an Großvereine) muss auch der Breiten- und Vereinssport gezielter gefördert werden, etwa durch eine breitere Öffnung von Wiens Sportstätten für Vereine.
Im Bereich des Spitzensports müssen einerseits die Trainingsbedingungen und -möglichkeiten verbessert werden, andererseits gilt es für entsprechenden Nachwuchs Sorge zu tragen. Wir fordern daher die Einrichtung einer Wiener Landessportschule.