Ein Stadtrat für Hernals

Neo-Stadtrat Manfred Juraczka möchte Rot-Grün einen positiven bürgerlichen Gegenentwurf entgegenstellen. (28.09.2011)

Manfred Juraczka (42) ist Hernalser ÖVP Parteiobmann und war bis zur letzten Wahl Vize-Bezirksvorsteher. Nun wurde er als Nachfolger von Wolfgang Gerstl in die Wiener Stadtregierung berufen. Der Neo-Stadtrat ist verheiratet, Vater eines Sohnes und ein echter Hernalser von Geburt an. Wir trafen ihn zum Interview.

Sie sind nicht amtsführender Wiener Stadtrat. Was bedeutet das?

MANFRED JURACZKA: „Die österreichische Verfassung gibt vor, dass in den Gemeinden alle im Gemeinderat vertretenen Parteien entsprechend ihres Wahlergebnisses auch in der Gemeinderegierung vertreten sein müssen. In Wien will die SPÖ die anderen Parteien aber nicht mitregieren lassen, weshalb man hier – einzigartig in Österreich – die nicht amtsführenden Stadträte erfunden hat. Das heißt man ist formell Mitglied der Stadtregierung,
bekommt aber keinen Geschäftsbereich zugewiesen.“

Was sagen Sie zur Idee, die nicht amtsführendenStadträte abzuschaffen?

MANFRED JURACZKA: „Der Plan der SPÖ die nichtamtsführenden Stadträte abzuschaffen ist für mich nicht akzeptabel. Das würden sich die Sozialdemokraten vielleicht wünschen, damit würde man jedoch wesentliche Kontrollmöglichkeiten aushebeln, denn manche
Bereiche sind nur für Mitglieder der Stadtregierung einsehbar.“

Zum Inhaltlichen: Was sind die Eckpfeiler Ihres bürgerlicher Gegenentwurfs zu Rot-Grün?

MANFRED JURACZKA: „Rot-Grün möchte die Menschen in eine Abhängigkeit bringen, Rot-Grün will den Menschen ideologisch vorschreiben wie diese ihr Leben zu führen haben. Wir wollen, dass die Menschen in dieser Stadt ein freies, selbstbestimmtes Leben in Eigenverantwortung führen können. Daher halte ich „Wahlmöglichkeiten“ in vielen Bereichen des Lebens – von der Bildung bis zum Verkehr – für so wichtig. Anders gesagt: Ich will alle jene ansprechen, denen die drei großen E’s ebenfalls wichtig sind: Eigentum – Eigenverantwortung – Einsatz.“

Stichwort Bildung: Wie sehen Ihre Vorstellungen zum Schulsystem in Wien aus?

MANFRED JURACZKA: „In aller Kürze: Es ist wichtig, dass es ausreichend Schulen mit
Ganztagsbetreuung gibt. Es muss aber auch möglich sein, dass Kinder am Nachmittag in Vereinen aktiv sein können, in der Jungschar, bei den Pfadfindern, beim Musikunterricht, der Tennisstunde, beim Fußball oder auch einfach Zeit haben für Familienaktivitäten. Die SPÖ will die verpflichtende Ganztagesschule mit Unterricht auch nachmittags. Da können Sie das alles vergessen.“

Thema Verkehr in Wien – was sagen Sie zur bisherigen Performance der grünen Verkehrsstadträtin Vassilakou?

MANFRED JURACZKA: „Leider ist es das befürchtete Desaster. Vom grünen Wahlversprechen der 100,- Euro Öffi-Jahreskarte ist nichts mehr übrig. Mit der Vassilakou-Steuer, dem Parkpickerl für ganz Wien, werden alle Wiener Autofahrer künftig nicht nur für’s Parken im eigenen Bezirk zahlen, sondern müssen dann auch in jedem anderen Wiener
Bezirk unausweichlich teure Parkscheine ausfüllen. Die mittlerweile ausufernden Sperren der Wiener Hauptverkehrsadern für irgendwelche Radfahr- oder Fußgänger-Initiativen werden von den meisten Wienern entschieden abgelehnt. Die durch Umleitungen und Stau verursachten Abgas- und Kostenbelastungen sind enorm.“

Ihr Gegenentwurf?

MANFRED JURACZKA: „Der Ausbau schneller, bequemer und hochrangiger Öffiverbindungen zur Entlastung von Bim und Bus. Eine U-Bahn- Anbindung ins Umland soll den Einpendlerverkehr von den überlasteten Wiener Straßen holen. Sichere Radwege sollen Wien auch für Familienausflüge mit dem Fahrrad befahrbar machen.

Und eines möchte ich auch noch sagen: Liebe Radfahrer, die Straßenverkehrsordnung ist keine unverbindliche Empfehlung! Das Fahren auf dem Gehsteig, über rote Ampeln, Zebrastreifen etc. ist kein Kavaliersdelikt, sondern asozial und gefährlich.“

Wird man Sie künftig in Hernals nur mehr selten sehen?

MANFRED JURACZKA: „Ich wohne in Hernals, fahre in der Früh von hier in die Arbeit und abends wieder hierher nach Hause. Der 17. Bezirk wird also nach wie vor in meinem Lebensmittelpunkt stehen. Ich hoffe, dass ich in meiner neuen Tätigkeit noch vieles für unseren Bezirk verbessern kann.“