Wiener Wohnen schikaniert Rollstuhlfahrerin bei Wohnungsweitergabe

ÖVP schaltet nach endlosem Hürdenlauf die Volksanwaltschaft ein (04.10.2011)

Während sich Wiens SP-Wohnbaustadträte seit Jahrzehnten in Selbstlob über angeblich „vorbildliche“ Wohnbaupolitik ergehen, berichten Mieter/innen über endlosen Papierkrieg und massive Schwierigkeiten eine brauchbare barrierefreie Gemeindewohnung zu bekommen. Und selbst wenn eine solche Wohnung zur Verfügung gestellt wird, gibt es Probleme mit der Nachnutzung durch Angehörige. Der Mieterin Eva Steinhauser aus Wien-Favoriten wurde dieses ewige hin und her mit der Gemeinde Wien nun zuviel - sie hat sich mit Hilfe der ÖVP Favoriten an die Volksanwaltschaft gewandt. Frau Steinhauser ist seit einem Unfall Rollstuhlfahrerin und daher auf eine barrierefreie Gestaltung ihres Lebensumfeldes angewiesen. Die Wohnung in der Maillygasse wurde ihr vom damaligen Wohnbaustadtrat Werner Faymann als „rollstuhlgerecht“ vermittelt.

Bei Wiener Wohnen existiert offenbar die Kategorie „nicht wirklich behindertengerecht“

Als die Mieterin die Wohnung an ihren Sohn übergeben wollte, wurde zunächst seitens der Gemeinde Wien erklärt, dass eine behindertengerechte Wohnung nicht an Personen ohne Behinderung einfach weitergegeben werden kann. Der Sohn von Frau Steinhausers durfte die Wohnung seiner Mutter bis dato also nicht übernehmen, da er nicht behindert ist. 2002 wurde von Wiener Wohnen in einem Schreiben jedoch plötzlich behauptet, dass es sich bei der Wohnung in der Maillygasse um „keine wirkliche Behindertenwohnung handelt“. Bei der ÖVP Favoriten zeigt man sich über diesen Schildbürgerstreich des Magistrats empört. Hier zeige sich eindeutig, dass die Wiener SPÖ Menschen mit Behinderung als Bürger/innen zweiter Klasse behandelt. VP-Bezirksrätin Magdalena Kelaridis: „Ich fasse es nicht, wie hier mit Mieter/innen von Gemeindewohnungen umgegangen wird. Das kann doch nicht sein, dass ein und dieselbe Wohnung vom damaligen Wohnbaustadtrat Faymann mit medialem Trara als behindertengerecht angeboten wird und Jahre später Wiener Wohnen plötzlich von einer „nicht wirklichen Behindertenwohnung“ spricht. Entweder die Wohnung ist als barrierefreie Wohnung vermietet worden, oder sie ist es nicht. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht!“

Mehr leistbare barrierefreie Wohnungen für Wien

Die völlig unverständliche Reaktion der zuständigen Stellen bei Wiener Wohnen müsse rasch korrigiert werden, zudem brauche Wien einfach mehr leistbaren und vor allem barrierefrei gestaltbaren Wohnraum , fordert die VP-Bezirksrätin. „Dieser Trend ergibt sich ja schon allein aufgrund der Tatsache, dass die Zahl der älteren Menschen in Wien seit Jahren steigt. Bis 2030 wird Wien rund 200.000 Einwohner mehr haben. Es muss daher in der städtischen Wohnungspolitik darauf geachtet werden, dass die eigenen vier Wände auch bei eingeschränkter Mobilität weiterhin nutzbar sind“ betont Kelaridis abschließend.