Öffi-Tarifsystem modernisieren und flexibilisieren

ÖVP Wien kritisiert rot-grünen Tarifstreit (26.09.2011)

Im rot-grünen Regierungsprogramm wurde auf Betreiben der grünen Vizebürgermeisterin Vassilakou die Einrichtung einer Tarif-Task-Force bei den Wiener Linien festgeschrieben, die bis spätestens Mitte 2011 die Tarife der Wiener Linien optimieren sollte.
Fakt ist, dass diese Task Force bis dato zu keinem Ergebnis gekommen ist und die von den Grünen geforderte Senkung der Tarife nach Aussagen der der kaufmännischen Leiterin der Wiener Linien Alexandra Reinagl und Geschäftsführer Eduard Winter als gescheitert bezeichnet werden kann.

Derzeit scheint alles auf eine Erhöhung der Tarife um 13 Prozent hinauszulaufen. Rot-Grün ist an sich selbst gescheitert und lässt die Nutzer der Wiener Linien im Tarifregen stehen, so Planungssprecher Gemeinderat Bernhard Dworak im Zuge einer Pressekonferenz.

Der Anteil des öffentlichen Verkehrs in Wien stieg im letzten Jahr von 35 auf 36 Prozent. Eine weitere Steigerung ist jedoch nur mit einer nachhaltigen Attraktivierung der Tarife und des Angebots zu erreichen.

"Mit der Ankündigung die Fahrpreise zu erhöhen, arbeiten die Wiener Linien aber gegen den Trend der steigenden Fahrgastzahlen. Anstatt diese zarte Pflanze zu gießen, treten Rot-Grün sowie das Management der Wiener Linien diese mit Füßen."

Um den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel attraktiver zu machen, wäre es sinnvoll, die Tarife für Einzelfahrscheine zu vergünstigen. Der Anteil der Einzelfahrscheine ist im Gesamtvergleich und damit in der Kostenstruktur gering genug, um eine Senkung der Einzelfahrscheinpreise zu realisieren.

Je nach Modell wären 1- Euro-Fahrscheine oder Fahrscheine um 1,50 Euro betriebswirtschaftlich kein Problem. Auch eine Vergünstigung der Jahreskarte wäre möglich (wie ursprünglich auch angedacht), sofern der bisher positive Trend der Jahreskartenverkäufe anhält - wovon bei einer Vergünstigung der Tarife auszugehen ist.

Erhöhung der Produktivität

Die Verlängerung der U-Bahn und die 24h-U-Bahn haben zu einer Steigerung beim Gesamtpersonal der Wiener Linien geführt. Es ist darauf zu achten, dass die Mitarbeiter effektiver eingesetzt und dadurch die Kostenstruktur verbessert wird. Die Produktivität der Mitarbeiter ist im letzten Jahr, gemessen anhand der "Platzkilometer", um 10.000 km pro Mitarbeiter gesunken. Eine Evaluierung des Personalstandes hätte das Ziel, die Produktivität zu erhöhen und so derzeit liegengelassene Mittel für eine Tarifreform umzuschichten.

Für die ÖVP Wien liegt die Lösung der Finanzierung eines neuen Tarifsystems nicht in der Verteuerung der Fahrpreise um 13 Prozent, wie dies die Wiener Linien fordern, sondern in der Steigerung der Produktivität der Wiener Linien um 13 Prozent (von derzeit 2,17 auf 2,45 Mio. Platzkilometer).

Ideen der ÖVP Wien für ein flexibles und modernes Tarifsystem

In diesem Zusammenhang präsentierte Planungssprecher Dworak folgende Ideen der ÖVP Wien, die zu einer Flexibilisierung und Modernisierung des Tarifsystems führen sollen:

  1. E-Ticket für Wien: Im Zuge der Verwendung dieser Karte sollte bei der Öffi-Nutzung jeweils der günstigste Tarif abgebucht werden
  2. Flexible Monatsabrechnungen - nicht nur vom 1. des Monats an
  3. Job-Ticket: Um zum Umstieg auf die Wiener Linien zu bewegen, sollte auch ein Jobticket angeboten werden. Arbeitnehmer eines Betriebes sollen durch vergünstigte bzw. geförderte Tickets zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegt werden
  4. Übertragbare Jahreskarten - wie Monatskarten derzeit
  5. Angleichung der Uni-Semesterkarten an den Semesterbeginn der Fachhochschulen im September
  6. Partner-Ticket: Eine Person kauft dabei ein Ticket. Der/die Partner/in kann dafür sein Ticket zu vergünstigten Konditionen erwerben
  7. Neues P & R Ticket, welches die gratis Öffi-Nutzung inkludiert
  8. Taxi-Ticket: Der Kauf eines Wiener Linien Tickets sollte zu Vergünstigungen bei der Taxinutzung führen
  9. Car-Sharing Ticket: Die Nutzung von Car-Sharing Fahrzeugen soll bei Vorweis einer a) Business Card (ÖBB) oder einer b)Jahreskarte (Wiener Linien) zu vergünstigten Konditionen führen
  10. Vielfahrerbonus für Jahreskartenbesitzer: Besitzer von Jahreskarten sollten von ihrer "Treue" zu den Öffis profitieren - Verlängerung der Jahreskarte um bestimmten Prozentsatz verbilligen

"Die Konzentration auf Tariferhöhungen ist definitiv der falsche Weg. Stattdessen sollte das Wiener Tarifsystem dringend einer Modernisierung und Flexibilisierung unterzogen werden. Die Finanzierung der Angebote soll über die Steigerung der Produktivität und Effektivität mittels Strukturmaßnahmen erreicht werden."